Vorsorgeuntersuchung – Glaukom (Grüner Star)
Ab dem 45. Lebensjahr empfiehlt der Berufsverband der Augenärzte (BVA) eine Vorsorgeuntersuchung zum Ausschluss einer Glaukomerkrankung. Bei familiärer Vorbelastung oder zusätzlichen Risikofaktoren ist ein früheres Screening sinnvoll.
Was ist das Glaukom?
Das Glaukom ist eine Erkrankung des Sehnervs. Dabei kommt es zu einer Schädigung der Nervenfasern, die unbehandelt zu bleibenden esichtsfeldausfällen führen kann.
Risikofaktoren sind unter anderem:
- Arteriosklerose
- Diabetes mellitus
- Bluthochdruck oder stark schwankende Blutdruckwerte (z. B. zu niedriger Blutdruck im Schlaf)
- Erhöhter Augeninnendruck – wobei Glaukom auch bei normalem Augeninnendruck auftreten kann
- Höheres Lebensalter
Wie wird untersucht?
Eine schnelle und zuverlässige Methode ist das OCT (Optische Kohärenztomographie). Dabei wird die Nervenfaserschichtdicke im Auge gemessen und mit Normwerten aus großen Datenbanken verglichen.
- Bei normalen Messwerten ist ein Glaukom sehr unwahrscheinlich.
- Grenzwerte erfordern oft eine engmaschige Kontrolle.
- Auffällige Befunde werden durch weitere Untersuchungen ergänzt (Funduskopie, Gesichtsfeldmessung, zusätzliche Parameter).
Therapie
Wird ein Glaukom festgestellt, lässt es sich durch eine medikamentöse oder operative Senkung des Augeninnendrucks in den meisten Fällen gut behandeln.
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Posterior Pole Map: Bei dieser Darstellung wird die Gesamtdicke der Netzhaut in der Mitte und an den Abgängen von dem Sehnervkopf dargestellt. Sie vermittelt eine schnelle Übersicht (hier zwischen 300 und 360 uum = orange Färbung im Falschfarbenbild). -
Vermisst in vielen Querschnitten die Nervenfaserschichtdicke am Papillenrand (rim) und vergleicht mit einem Altersnormkollektiv. -
Nervenfaserschichtdicke, zirkulär in 3 Radien gemessen, verglichen mit dem Altersnormkollektiv.
Das Glaukom ist eine Erkrankung der Verbindung zwischen Auge und Gehirn – genauer gesagt des Sehnervs. Dabei kommt es zu einem allmählichen Verlust von Nervenfasern. Besonders auffällig ist dies an der Papille (dem Sehnervenkopf), also der Eintrittsstelle des Sehnervs ins Auge.
An dieser Stelle bündeln sich rund 1,2 Millionen Nervenfasern, die zusammen mit Stützgewebe (Gliazellen) und feinen Blutgefäßen den Sehnerv bilden. Dieser tritt durch eine Öffnung in den Hirnhäuten nach außen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Mechanismen, die zum Absterben der Nervenzellen führen, werden noch erforscht. Bekannt ist jedoch, dass verschiedene Faktoren das Risiko erhöhen können, darunter:
- Höheres Alter
- Arteriosklerose
- Diabetes mellitus
- Starke Schwankungen des Blutdrucks, insbesondere niedrige Werte in der Nacht
- Erhöhter Augeninnendruck
Klinische Anzeichen
Charakteristisch ist eine fortschreitende Aushöhlung der Papille. Diese Veränderung erkennt der Augenarzt bei der Untersuchung des Augenhintergrundes.
Unbehandelt werden nach und nach auch die in das Stützgewebe eingebetteten Nervenfasern geschädigt. Dadurch entstehen Gesichtsfeldausfälle:
- Zunächst in den äußeren Bereichen des Gesichtsfeldes
- Später auch in zentraleren Bereichen
Wird das Glaukom nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann es zu einer dauerhaften Einschränkung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung kommen.
Eine gründliche augenärztliche Untersuchung umfasst mehrere Bausteine, die zusammen ein möglichst genaues Bild vom Zustand des Sehnervs und des Gesichtsfeldes liefern:
- Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie):
Mit einem automatisierten Test wird geprüft, ob bereits Einschränkungen im Gesichtsfeld bestehen. So lassen sich eingetretene Schäden frühzeitig erkennen.
- Messung des Augeninnendrucks:
Die Applanations-Tonometrie gilt als wissenschaftlich anerkanntes Standardverfahren. Dabei wird der Augeninnendruck mit einem sanften Kontaktverfahren präzise gemessen.
- Beurteilung des Sehnervkopfes:
Mittels Spiegeluntersuchung beurteilt der Augenarzt die Papille (Sehnervenkopf). Ergänzend können digitale Fotografien erstellt werden. Diese Aufnahmen lassen sich im zeitlichen Verlauf vergleichen und ermöglichen so die exakte Dokumentation eines möglichen Nervenfaserschwundes.
Die Optische Kohärenztomografie (OCT) ist ein modernes, lasergestütztes Verfahren, mit dem die Substanzdichte der Nervenfaserschicht um die Papille (Sehnervenkopf) präzise vermessen wird.
- Früherkennung: Abweichungen vom Normalbefund werden oft schon sichtbar, bevor erste Funktionsschäden auftreten.
- Empfehlung: Deshalb rät der Berufsverband der Augenärzte in Deutschland (BVA), die OCT-Untersuchung im Rahmen des Glaukom-Screenings einzusetzen.
Wann ist eine Untersuchung sinnvoll?
- Ab dem 45. Lebensjahr: Auch gesunde, nicht vorbelastete Patienten sollten sich regelmäßig einer augenärztlichen Kontrolle mit Glaukomvorsorge unterziehen.
- Bei familiärer Vorbelastung: Liegt eine Häufung von Glaukomerkrankungen in der Familie vor, empfiehlt sich die Untersuchung bereits im jungen Erwachsenenalter.
Die Hauptursache des Glaukoms liegt in Störungen des Abflusses des Kammerwassers im Auge:
- Angeborene oder seltene Ursachen:
Bei Kleinkindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen können anatomische Fehlbildungen im Abflusssystem vorliegen. Diese erhöhen den Widerstand des Kammerwasserabflusses und sind für den Augenarzt äußerlich sichtbar – treten jedoch insgesamt sehr selten auf.
- Häufige Ursache im Erwachsenenalter:
Mit zunehmendem Alter, besonders ab dem Rentenalter, kommt es häufiger zu Veränderungen im Trabekelmaschenwerk – dem Filtergewebe im Abflusssystem.
Dieses kollabiert oder verhärtet, sodass der Abfluss behindert wird. Von außen sind diese Veränderungen mit üblichen Untersuchungsmethoden nicht erkennbar.
Folgen des erhöhten Augeninnendrucks
Wenn die Balance zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers gestört ist, steigt der Augeninnendruck an. Der Druck verteilt sich gleichmäßig auf die Augenwand und alle inneren Strukturen. Besonders empfindlich reagieren:
- Nervenfaserzellen, die bei Druckschädigung absterben,
- kleinste Kapillaren, die ihre Versorgung verlieren.
Die Folge ist ein schleichender Verlust des Gesichtsfeldes – oft zunächst unbemerkt.
Therapie
Die Behandlung verfolgt zwei Ziele:
- Senkung des Augeninnendrucks – medikamentös oder operativ, gesteuert durch den Augenarzt.
- Optimierung der Herz-Kreislauf- und Stoffwechselsituation – insbesondere bei Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus, in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt oder Internisten.
Möglichkeiten zur Senkung des Augeninnendrucks
Die Behandlung eines Glaukoms zielt in erster Linie darauf ab, den Augeninnendruck dauerhaft zu senken. Dafür stehen medikamentöse und operative Verfahren zur Verfügung.
a) Medikamentöse Therapie
- Augentropfen sind die häufigste Behandlungsform. Sie müssen dauerhaft angewendet werden.
- Tabletten kommen nur vorübergehend zum Einsatz.
Herausforderungen:
- Gerade ältere Patienten haben oft Schwierigkeiten bei der regelmäßigen und korrekten Anwendung.
- Häufige Nebenwirkungen sind Brennen, Rötung und Reizung der Bindehaut.
- Mit der Zeit kann es zu einer Gewöhnung kommen, wodurch die Tropfen ihre Wirkung verlieren. Dann ist ein Wechsel auf andere Wirkstoffgruppen nötig – bis die medikamentösen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
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Auch bei bereits mehrfach vor-operierten Augen (hier im Bild Zustand nach 2-facher Trepanation) ist die nachträgliche Kanaloplastik erfolgreich möglich. -
Mann erkennt im "Schlemm'schen Abflusskanal" den Kunststofffaden mit den beiden Knotungen, die dem ausreichenden Tonus dienen.
b) Operative Verfahren
1. Laserverfahren
Argonlaser-Trabekuloplastik (ALT) und selektive Lasertrabekuloplastik (SLT):
Sie wirken direkt auf das Abflusssystem im Auge und können den Druck
vorübergehend senken.
• Vorteil: Weniger Tropfen notwendig, manchmal für etwa ein Jahr.
• Nachteil: Keine dauerhafte Wirkung.
2. i-Stent (Mikroimplantat)
- Ein winziges Implantat wird am Trabekelmaschenwerk in den Schlemm’schen Kanal eingesetzt und ermöglicht so einen besseren Abfluss.
- Vorteil: Sehr schonend, oft kombiniert mit einer Grauen-Star-Operation (Linsenaustausch).
- Nachteil: Keine starke Drucksenkung möglich, vor allem für frühe Glaukomstadien geeignet.
3. Trabekulektomie (fistulierende Operation)
- Hierbei wird ein kleines Stück der Augenwand entfernt. Unter der Bindehaut entsteht ein Filterkissen, in dem sich das Kammerwasser sammelt und von dort langsam abfließt.
- Vorteil: Starke Drucksenkung möglich.
- Nachteil: Das Filterkissen kann vernarben, sodass manchmal eine zweite Operation notwendig wird.
- Oft wird die OP mit Mitomycin C (MMC) unterstützt, um Vernarbungen zu verhindern.
4. Kanaloplastik (nicht-fistulierendes Verfahren)
- Das Kammerwasser wird über die natürlichen Abflusskanäle geleitet. Mit einem feinen Katheter wird ein Kunststofffaden in den Schlemm’schen Kanal eingebracht, der ihn dauerhaft offenhält.
- Vorteile:
- Erhalt der natürlichen Strukturen,
- sanfte Drucksenkung ohne abrupte Veränderungen,
- langanhaltender Effekt,
- keine engmaschigen Nachkontrollen erforderlich.
- Nachteil: Vorübergehend kann eine leichte Brechkraftänderung auftreten, die sich aber nach einigen Wochen von selbst zurückbildet.
Kostenübernahme
Die Verfahren ALT/SLT, i-Stent und Kanaloplastik werden sowohl von den gesetzlichen als auch von den privaten Krankenkassen übernommen.
Beim Glaukom (Grüner Star) sind die feinen Abflusskanälchen im Auge verengt oder verschlossen.
Die Kanaloplastik eröffnet diese Kanälchen mithilfe eines Katheters und legt einen hauchdünnen Kunststofffaden ein. Dieser hält die Abflusswege dauerhaft offen und sorgt so für eine kontinuierliche Drucksenkung.
Der große Vorteil:
Im Gegensatz zur herkömmlichen Operationstechnik (Trabekulektomie/Trepanation) wird kein künstlicher Bypass durch die äußere Augenhülle gestanzt. Das Verfahren respektiert die natürlichen Strukturen des Auges und ist dadurch besonders schonend und nachhaltig.
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